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Kurz vor dem Abflug

19.06.2016 07:45

Raunheimer Schülerin nimmt am Patenschafts-Programm des Bundestags teil

Da geht's hin: Rojin Zirig nimmt an einem Austauschprogramm des Deutschen Bundestages in den USA teil, ihr Pate ist der Bundestagsabgeordnete Gerold Reichenbach. (Foto: Rüdiger Koslowski)
Da geht's hin: Rojin Zirig nimmt an einem Austauschprogramm des Deutschen Bundestages in den USA teil, ihr Pate ist der Bundestagsabgeordnete Gerold Reichenbach. (Foto: Rüdiger Koslowski)

Rojin Zirig geht für ein Schuljahr in die USA. Sie hat ein Stipendium über das Parlamentarische Patenschafts-Programm des Deutschen Bundestages erhalten. Ihr Pate ist der Bundestagsabgeordnete Gerold Reichenbach.

Rojin Zirig besucht die zehnte Klasse der Anne-Frank-Schule. Im August wird ein großer Traum wahr. Die 16-Jährige hat über das Parlamentarische Partnerschafts-Programm des Deutschen Bundestages und des Kongresses der USA ein Stipendium für einen einjährigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten erhalten. Am 11. August fliegt sie über den großen Teich.

Noch ist das Ziel unbekannt, berichtet die Schülerin bei einem Pressegespräch gemeinsam mit ihrem Paten, dem Bundestagsabgeordneten Gerold Reichenbach (SPD). Ihre Gastfamilie kennt sie ebenfalls noch nicht. Beides erfährt sie erst wenige Wochen vor dem Reiseantritt. Einen speziellen Wunsch für einen bestimmten Bundesstaat hat sie nicht. Sie würde aber den Aufenthalt in einer Großstadt dem auf dem Land vorziehen. Noch wichtiger ist ihr aber ein gutes Verhältnis mit ihrer Gastfamilie.

Es sei immer schwieriger, Gastfamilien zu finden, in den USA wie auch in Deutschland, sagt Gerold Reichenbach. Das Engagement in diesen Bereichen nehme ab. Der Bundespolitiker hat zum sechsten Mal eine Patenschaft bei dem Programm übernommen. Die Paten wurden unter insgesamt 360 interessierten Bundestagsabgeordneten ausgelost.
Eine Vorauswahl der interessierten Schüler trifft der kooperierende Verein Experiment aus Bonn. An Gerold Reichenbach liegt es, einen Stipendiaten aus drei verbliebenen Kandidaten auszuwählen. „Das ist ziemlich schwierig, jeder hat es verdient“, räumt er ein. Entscheidendes Kriterium ist für ihn erst einmal der persönliche Eindruck bei einem Gespräch. Aber auch andere Punkte können mitentscheiden, etwa, ob der Jugendliche die Chance hat, über einen anderen Weg an einem Austausch teilzunehmen und ob der Kandidat wegen seines Alters vielleicht in den kommenden Jahren noch einmal die Möglichkeit hat, sich für das Patenschafts-Programm zu bewerben.

„Ich habe Rojin Zirig als geeignet empfunden“, sagt der Bundestagsabgeordnete. Näher wollte er seine Wahl nicht begründen. Die Schülerin mit den dunklen wachsamen Augen, die ganz selbstbewusst im Wahlkreisbüro in Groß-Gerau auftritt, freut sich nun auf den Aufenthalt in den USA. Die Idee hat sie von ihrer fünf Jahre älte
ren Schwester Dilber, die ein Jahr als Au-pair-Mädchen im US-Bundesstaat Connecticut war.

„So eine Chance kann man nicht liegen lassen“
Ihre Eltern waren von Anfang an mit ihrem Wunsch einverstanden. „Je weiter ich in der Vorausscheidung kam, desto mehr Bammel haben sie aber gehabt“, erzählt Rojin Zirig mit einem Schmunzeln. Ihre Schwester habe sie in ihrem Wunsch immer unterstützt. „Meine Eltern und meine Freunde werde ich vermissen“, weiß sie jetzt schon.
„Aber so eine Chance kann man nicht liegen lassen“, schiebt sie schnell hinterher. Die USA hätten sie schon immer beeindruckt, erzählt Rojin Zirig. Die Kultur der Vereinigten Staaten hat es ihr angetan, und die Menschen dort seien offen, weiß sie. Sie hat viele Bücher im englischen Original gelesen, im Unterrichtsfach Englisch steht sie zwischen den Noten Eins und Zwei. Trotzdem will sie mit dem Aufenthalt ihre englischen Sprachkenntnisse noch weiter verbessern. Darüber hinaus reize sie das selbstständige Leben außerhalb des Elternhauses, erläutert sie ihre Motive.

Ihrer Klassenlehrerin war bekannt, dass sie in die USA möchte. Die Lehrerin drückte ihr dann auch die Broschüre über das Patenschafts-Programm in die Hand. Rojin Zirig wird in den Staaten am Unterricht der Highschool teilnehmen. Die Altersklasse sei mit der Sekundarstufe II in Deutschland vergleichbar. „Ich bin dort eine ganz normale Schülerin, wie jeder andere auch“, unterstreicht sie. Sie will an der Schule Freunde finden und an AGs teilnehmen.

Die aktuellen Ereignisse in den USA verfolgt sie durchaus. Das Attentat, das sich vor Kurzem in Orlando ereignet hat, findet sie schlimm. Während ihres Aufenthalts wird im November ein neuer Präsident gewählt. Ihre Meinung über die Kandidaten möchte sie dort sehr zurückhaltend vertreten. Donald Trump würde sie auf keinen Fall wählen, bei Hillary Clinton ist sie sich unsicher, sagt sie dem Echo.

Das Taschengeld für den Aufenthalt erhält sie von den Eltern. Einen Job darf sie in den USA nicht annehmen, weiß die Schülerin.

Erschienen am 16.06.2016 im Rüsselsheimer Echo
Autor: Rüdiger Koslowski

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